Es klappert die Mühle ...

Der Mühlentag lockte die Gäste zu Hunderten an die Mühlen im Weimarer Land


Von Christiane Weber und Jens Lehnert

 

pressebeleg muehlentag tlz-weimar 2013-05-21-3Wenn die Ilm zu wenig Wasser führt, ist es nicht gut, aber ebenso schlecht ist zu viel Wasser , meinte Ralf Clauder, Besitzer der Wassermühle in Denstedt. Die Pegel der Ilm haben derzeit die Meldegrenze überschritten, die Fließgeschwindigkeit ist nach den starken Regenfällen in der Nacht zum Montag wieder stark angestiegen und beträgt in Niedertrebra 5,9 Kubikmeter/Sekunde.


Zahlreich drängten sich die Schaulustigen bei jeder seiner Mühlenführungen um den
Inhaber der Mühle. Er wurde nicht müde, die Funktionsweise der Mühle und die Müllereitechnik
im Detail zu erläutern. Seine Mitarbeiter verwöhnten die Gäste mit Kaffee und Kuchen, es gab Deftiges vom Rost und immer wieder staunende Blicke auf die knapp unter der Holzbrücke dahinrauschende Ilm. Im Mühlenkino lief ein 18-minütiger Film zur Geschichte und Funktionsweise der Mühle.

 

Und die Jenaer Autorin Ingeborg Heyn präsentierte ihr Buch über Buchweizen. Das Kraftkorn. Wäre es nicht ohnehin der 20. Deutsche Mühlentag gewesen, unter dessen Dach am
Pfingstmontag auch die Mühlen im Weimarer Land rege klapperten, hätten die Klettbacher
genügend eigene runde Anlässe gehabt, um groß zu feiern. Immerhin ist die höchstgelegene
Bockwindmühle Deutschlands, die auf dem Berg über dem Dorf thront, inzwischen 270 Jahre
alt. Und dieses besonderen Denkmals und der eigenen Bemühungen um dessen Erhalt zu
Ehren, feierte der örtliche Mühlenverein sein zehntes Mühlenfest.


Dass zuweilen eine frische Brise über den Berg pfiff, sei für den Standort einer Windmühle
nicht gerade ungewöhnlich, meinte Jochen Reinhardt augenzwinkernd, der im Mühlenverein
für die Finanzen und beim Fest für die Verpflegung verantwortlich zeichnete. 400 Bratwürste
und 180 Brätel schaffte er auf den Berg. Zahlreich schauten die Besucher sich an den
Marktständen um, an denen Pflanzen, Wurstwaren, Liköre, Honig und Milchprodukte
angeboten wurden. Da Windrichtung und -stärke stimmten, konnten die Gäste die drehenden
Mühlenflügel bestaunen.


Auch die Besucher der historischen Bockwindmühle in Bechstedtstraß erlebten gestern
imposante Dreh-Momente. Allerdings konnten wir die Mühle bei so viel Wind nicht allzu lange drehen lassen. Immerhin reichen die Flügel bis 30 Zentimeter über den Erdboden. Wenn da jemand in die Nähe kommt,wird es gefährlich , war für Mühlenbesitzer Manfred Bäringer Vorsicht das oberste Gebot.
Schließlich lasse sich die Mühle nicht von jetzt auf gleich anhalten, wenn man bedenkt, dass
der Mahlstein eine Tonne wiegt. Bis ins Jahr 1620 lassen sich in der Chronik die Hinweise auf
die Mühle von Bechstedtstraß zurückverfolgen. Bis 1953 war sie offiziell in Betrieb. Schon
Manfred Bäringers Urgroßvater war hier Müller, der Großvater auch und der Vater ebenso.
Sache des Sohnes und seiner Familie war es schließlich vom Jahr 2001 an, die Mühle wieder
instandzusetzen und damit auch die Familientradition und die der Müllerei in Bechstedtstraß
wach zu halten. Zahlreiche Neugierige dankten es mit ihrem Besuch.

 

 

Auf das Publikum warteten dort auch Speis und Trank. Und die Bockwindmühle blieb nicht das einzige historisch-technische Schmuckstück, das bestaunt werden wollte. Der Wersdorfer Reinhard
Hüttig war mit einem Straßen-Lanz bis nach Bechstedtstraß gekommen. Der Traktor wusste
das Mühlenfest optisch wie auch akustisch zu bereichern.

 

Quelle:THÜRINGISCHE LANDESZEITUNG - Ausgabe Weimar, 21.05.2013, S. 25

Sorge wegen Riss in Bockwindmühle Krippendorf

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Hobby-Müller Karsten Seifert posiert mit Müllermütze vor der wiederaufgebauten Bockwindmühle. Foto: Lutz Prager

Der Schaden könnte kaum komplizierter sein. Ausgerechnet am Mehlbalken der wiederaufgebauten Krippendorfer Bockwindmühle ist kurz vor der endgültigen Bauabnahme ein frischer Riss endeckt worden.
Jena-Krippendorf. "Das ist deswegen Besorgnis erregend, weil der Mehlbalken das gesamte Mühlengebäude trägt", sagt Karsten Seifert. Eine Bockwindmühle steht, wie der Name sagt, auf einem Bock, erklärt der Vorsitzende der AG Windmühle des Krippendorfer Dorf- und Feuerwehrvereins. Der Bock hat die Aufgabe, alle statischen Belastungen wie Eigengewicht, betriebsbedingte Schwingungen sowie die Windlast aufzunehmen. An dem Bock ist der senkrechte Hausbaum befestigt, auf dem der Mehlbalken drehbar gelagert aufliegt. Entdeckt hat den Riss die Zimmerei Bode aus Mackenrode selbst. Sie hatte die im Januar 2007 vom Orkan Kyrill komplett zerlegte Mühle aus Original- und Neuteilen wieder aufgebaut. Bei besagtem Mehlbalken handelt es sich um ein Originalteil, datiert auf das Baujahr 1706. "Am Mittwoch wird dieser Balken von Holzexperten gründlich untersucht", sagt Peter Lammert vom Krippendorfer Verein. "Zunächst soll mit Bohrungen der Zustand im Inneren sondiert werden, um den Ausmaß des Schadens und Sanierungsmöglichkeiten auszuloten", so Lammert. Im zuständigen Fachdienst der Stadtverwaltung geht "Mühlenbeauftragter" Matthias Neumann davon aus, dass die statischen Probleme über Verstärkungen des Mehlbalkens zu beheben sind. "Es ist gut, dass der Riss bemerkt wurde, ehe die Mühle wieder in Betrieb geht", so Neumann. Über Umfang und Zeitrahmen der Reparatur könne er erst nach der Untersuchung am Mittwoch Angaben machen. Zum Tag des offenen Denkmals am Sonntag bleibt die Mühle aber aus Sicherheitsgründen gesperrt.
 
Neumann verteidigt ausdrücklich die Verwendung der über 300 Jahre alten tragenden Teile für den Wiederaufbau. "Es war nie die Absicht, eine Kopie der Mühle hinzustellen. "Dafür hätten wir auch keine Fördermittel erhalten", sagt Neumann. Mit solchen Schwierigkeiten müsse man im Denkmalschutz immer rechnen, da sei die Mühle bautechnisch ähnlich wie ein Fachwerkhaus, so der Sanierungsexperte. 250 000 Euro hatte die Rekonstruktion des Technischen Denkmals gekostet.

Quelle: Lutz Prager / 06.09.11 / OTZ

Müller im Nebenberuf

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Mitglieder des Feuerwehr- und Dorfvereins Krippendorf um Karsten Seifert (vorn) vor der Bockwindmühle auf dem historischen Schlachtfeld bei Jena.

Krippendorfer Feuerwehr- und Dorfverein mit Jenaer Vereinspreis von Züblin AG und Ostthüringer Zeitung geehrt.

Was einen Verein ausmacht, in guten wie in schlechten Tagen, zeigt sich in Ausnahmesituationen. Am vergangenen Wochenende gab es eine solche Situation in Krippendorf bei Jena.

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Die Krippendorfer Bockwindmühle im Abendlicht.

Von den umliegenden Feldern floss das Schmelzwasser in breiten Bächen in den Ortskern und überflutete die Kanalisation. Zum Teil knietief stand das Wasser in den Straßen und Gassen und drohte, in die Gehöfte und Keller einzudringen. Die Bürger, darunter die Mitglieder des Feuerwehr- und Dorfvereins Krippendorf e. V., kämpften am Samstag gegen die Wassermassen und am Tag darauf mit dem Schlamm, der die Zufahrten versperrte. "Selbst die Einwohner, die nicht betroffen waren, halfen mit, bis wir die Situation Sonntagmittag endlich im Griff hatten. Bei uns ist jeder für den anderen da", beschreibt Gudrun Knabe den Zusammenhalt im Ort.

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Am vergangenen Wochende überflutete das Schmelzwasser der umliegenden Felder den Ortskern von Krippendorf, Bürger und Verein arbeiten Hand in Hand.

Die Kindergartenerzieherin ist Vorsitzende des Krippendorfer Feuerwehr- und Dorfvereins, der im Dezember 2010 mit dem Jenaer Vereinspreis geehrt wurde, ausgelobt von der Niederlassung Jena-Gera des Baukonzerns Züblin AG und der Ostthüringer Zeitung. Zum elften Mal vergeben, ging die Auszeichnung für vorbildliche ehrenamtliche Arbeit in diesem Jahr zudem an die Jenaer Tafel, den Förderverein der Kastanienschule und den Verein Waldkinder Jena.

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Die Vorsitzende des Feuerwehr- und Dofvereins Krippendorf, Gudrun Knabe, blättert in der Vereinschronik. Im Feuerwehrhaus des Ortes.

Die Krippendorfer erfuhren von ihrem Glück aus der Ostthüringer Zeitung. "Mein Kollege hatte den Beitrag im Lokalteil entdeckt, noch bevor ich ihn lesen konnte", erinnert sich Bibliothekarin Brundhild Brösicke. "Ich habe sofort eine Rundmail losgeschickt und meine Vereinskollegen informiert. Die Freude war natürlich groß." Geehrt wurde der 1990 gegründete und derzeit 40 Mitglieder zählende Verein vor allem für den Wiederaufbau der im Januar 2007 durch den Orkan "Kyrill" zerstörten Bockwindmühle. Das Technische Denkmal, zwischen 1738 und 1742 errichtet, hat Mühlengeschichte geschrieben und Weltgeschichte erlebt. Als hier am 14. Oktober 1806 das Gefecht zwischen den Napoleonischen Truppen und dem Herzog von Braunschweig und dessen Verbündeten tobte, war die Mühle ein wichtiger Orientierungspunkt. 1860 bei einem Brand fast gänzlich zerstört, wurde sie rund 50 Meter entfernt wieder aufgebaut und wechselte mehrfach die Besitzer. Der letzte Müller Hugo Rose ist manchem Krippendorfer noch in guter Erinnerung. Dann ging die Bockwindmühle "in den Ruhestand" und wurde erst durch die unermüdliche Arbeit von Werner Westermann funktionstüchtig instand gesetzt. Zur 800-Jahrfeier von Krippendorf war das Mühlenbauwerk wieder komplett und lockte Besucher auf das historische Schlachtfeld. Was der Armee unter Napoleon nicht gelang und auch der Brand 1860 nicht gänzlich vermochte, schaffte Orkan "Kyrill" in einer Nacht. Vom geschichtsträchtigen Bauwerk blieb nur ein Trümmerhaufen übrig, nicht nur die Krippendorfer waren entsetzt. Die Stadt Jena, zu der Krippendorf seit 1994 gehört, übernahm Verantwortung, kaufte Grundstück und Trümmerteile und stellte für den Wiederaufbau etwa die Hälfte der Bausumme von insgesamt 251 000 Euro zur Verfügung. "Das ist nahezu einmalig in Deutschland, denn normalerweise engagieren sich ausschließlich Vereine für die Mühlenerhaltung", würdigt Peter Lammert vom Vereinsvorstand das Engagement der Stadt.

Am 31. August 2009 erfolgte der ersten Spatenstich am Mühlenstandort durch die Firma Holzbau Bode aus dem Eichsfeld, am 1. September rollten die ersten Bagger an. Wie engagiert der Krippendorfer Verein, unterstützt von der Arbeitsgemeinschaft "Jena 1806", dem Verein "Lebensraum Gönnertal" sowie vom Thüringer Landesverein für Mühlenerhaltung und Mühlenkunde (TVM) um Alfred Kirsten beim Wiederaufbau mitwirkte, wurde zum traditionellen Mühlentag Pfingstmontag im vergangenen Jahr deutlich. Krippendorf hat exakt 111 Einwohner. Am 24. Mai 2010 aber rollte eine Blechlawine in den beschaulichen Ort, fast 3000 Besucher aus Thüringen und darüber hinaus feierten mit den Krippendorfern Richtfest auf dem alten Schlachtfeld. Gegenwärtig herrscht hier zwar noch Winterruhe, doch Bürger und Verein haben schon jetzt den Mühlentag 2011 am 13. Juni im Blick. Bis dahin sollen nicht nur die Restarbeiten im Inneren der Mühle abgeschlossen sein, vor allem wollen die Vereinsmitglieder dann den Besuchern vorführen, dass ihr Wahrzeichen tatsächlich wieder funktionstüchtig ist. Dazu setzen sie sich noch einmal auf die Schulbank und werden Müller im Nebenberuf. Ganz korrekt ist das natürlich nicht, denn keiner wird hier Korn zu Mehl mahlen oder den Beruf wechseln. "Aber wissen, wie es funktionieren könnte, das haben wir uns vorgenommen", blickt Karsten Seifert, Leiter der AG Bockwindmühle, voraus.
Künftig will der Verein auch die alte Mühlentechnik vorführen und zu Veranstaltungen in die Mühle einladen. Bereits im November 2010 gab es deshalb das erste Mühlenseminar. Unter Leitung von Freizeitmüller Stefan Lander aus Halle und Alfred Kirsten aus Erfurt vom TVM ging es zunächst theoretisch um Sicherungs- und Wartungsarbeiten an der Mühle. "Im praktischen Teil haben wir dann ausprobiert, wie die Mühle mittels Steert, einem langen Balken, richtig im Wind steht", erklärt Jörg Koch. Der Wehrleiter der Freiwilligen Feuerwehr in Krippendorf ist Gründungsmitglied des Vereins, ebenso Ortsteilbürgermeister Armin Westermann. Die Männer machen darauf aufmerksam, dass die Bockwindmühle zwar ein wichtiger Teil der Vereinsarbeit ist, längst aber nicht alles. "Gegründet haben wir uns als Feuerwehrverein", erinnert Westermann. "Doch in einem Ort mit 111 Einwohnern bringt es nichts, zehn oder mehr Vereine zu haben", die alle ihr eigenes Süppchen kochen. Als Feuerwehr- und Dorfverein tragen sie nun gemeinsam Sorge dafür, dass ein "Bolzplatz" für die Jugend entstanden ist, dass Traditionen und Brauchtum gepflegt werden. Armin Westermann nennt das Maibaumsetzen und die Kirmes, das Feuerwehr- und Teichfest Anfang September, den Mühlentag Pfingstmontag und auch die Rentnerweihnachtsfeiern im Dezember. Klingt nach viel Spaß, will aber gut vorbereitet sein. Gudrun Knabe, die als Vereinsvorsitzende die Chronik führt, kann ein Lied davon singen. Und sie weiß, dass solche Festlichkeiten der Dorfgemeinschaft gut tun und dafür sorgen, dass man auch in schwierigen Zeiten zusammensteht. Wie am vergangenen Wochenende. Wofür genau die Krippendorfer ihr Preisgeld von 1500 Euro ausgeben werden, darüber wollen sie noch beraten. Mit ziemlicher Sicherheit aber wird es für die Bockwindmühle verwendet. Pfingstmontag 2011 soll sie mit dem traditionellen Biwak der AG 1806, Ausstellungen zum Baugeschehen und Schauvorführungen wieder voll funktionstüchtig eingeweiht werden und Besucher auf das alte Schlachtfeld bei Jena locken.

Quelle: Sabine Wagner / 16.01.11 / OTZ