Historische Bauwerke begeistern

Tausende besichtigten Thüringer Mühlen


pressebeleg muehlentag-thueringen tlz-mantel 2013-05-21-3Linda/Krippendorf   Passendes Wetter hat den Mühlentag in Thüringen beflügelt. Bei teils
kräftigem Wind konnten die Schaulustigen am Pfingstmontag beobachten, wie Windmühlen
funktionieren. Das ist das ideale Wetter, wir sind sehr zufrieden , sagte Karsten Seifert von der
Arbeitsgemeinschaft Bockwindmühle Krippendorf bei Jena.


Landesweit lockte der Mühlentag wieder Tausende Schaulustige an. Mehr als 60 Wind- und
Wassermühlen beteiligten sich, geboten wurden Feste, Führungen und Ausstellungen. Der
Mühlentag wird in Deutschland seit 20 Jahren immer am Pfingstmontag begangen. Nach
Angaben der Deutschen Gesellschaft für Mühlenkunde und Mühlenerhaltung (DGM) in
Petershagen bei Minden wollten sich in diesem Jahr bundesweit mehr als 1000 Mühlen
beteiligen.


Auch in der Holländerwindmühle in Linda (Saale-Orla-Kreis) herrschte reichlich Andrang. Zur
Erinnerung an den 200. Geburtstag der Mühle wurden Münzen geprägt
die Mühle in Ostthüringen war 1813 errichtet worden und bis etwa 1965 in Betrieb. Etwa 1000
Besucher haben sich auf den Weg zur Krippendorfer Bockwindmühle gemacht. Seit einem
Jahr betreiben die Krippendorfer gemeinsam mit weiteren Mühlenfreunden aus Nah und Fern
ihre Bockwindmühle in Eigenregie und eigener Verantwortung. Unter dem Eindruck dieses ersten
Jahrestages stand das zünftige Mühlenfest. Mit unterhaltsamen Fakten rund um die Mühle und
das Getreide, mit Schmackhaftem vom Grill und Leckerem aus Krippendorfer Backöfen
warben die Krippendorfer erneut für Unterstützung bei Betrieb und Erhalt der Mühle.


In der Neuen Mühle in der Erfurter Altstadt wurden gestern alle halbe Stunde Führungen
angeboten. Das Herzstück der einstigen dreistöckigen Getreidemühle ist das mächtige
Zuppinger-Rad mit einem Durchmesser von fünf Metern, dessen Drehung durch die imposante
Glasfront von der Schlösserstraße her die Aufmerksamkeit auf sich lenkt. Auch in der Heiligen
Mühle in der Mittelhäuser Straße waren die Führungen der Familie Naue sehr gefragt. Die
Mühle diente einst der Herstellung von Perlgraupen und ist wieder voll funktionstüchtig. Auf
dem Mühlenhof im Fachwerkensemble wurden Markttreiben und Live-Musik geboten.
Einen Besucheransturm erlebten auch die Mühlen im Landkreis Gotha, wo Technik-
Interessierte die Qual der Wahl hatten: Anlaufstellen zum Mühlentag waren die Veit-Bach-
Mühle in Wechmar, die Bockwindmühle in Ballstädt, der Tobiashammer in Ohrdruf, die Lohmühle bei Tambach-Dietharz, die Zitzmannmühle in Ingersleben, das Steinhauermuseum in der Alten Mühle von Crawinkel und das Walkmühlenmuseum in Gotha. Susanne Strobel von der Lohmühle wünschte sich ein solches Interesse eigentlich das ganze Jahr. Es würde helfen, die Kosten zur Erhaltung leichter zu tragen. Im Lohmühlen-Museum soll dieses Jahr das Dach erneuert werden; Kostenpunkt 200 000 Euro.


Nicht nur am Mühlentag gut zu tun haben auch Ann-Kathrin und Mario Wolf an der
Hörselmühle in Schönau (Wartburgkreis). Natürlich konnten auch sie gestern viele Besucher
begrüßen, die sich nach der Besichtigung der 1416 erstmals erwähnten Wassermühle auch
gern bei Kaffee und Kuchen sowie Blasmusik niederließen. Doch auch der weitere Aufbau der
Mühle erfordert viel Zeit, Kraft und natürlich Geld. Nachdem die Mühle, die heute der
Energieerzeugung dient, seit einigen Jahren wieder klappert, soll nun auch die Mahlmühle
wieder in Betrieb gehen aber alles nach und nach. Mario Wolf: Man glaubt es zwar kaum, aber es ist doch immer noch nur ein Hobby. Dass zu viel Wasser auf die Mühlen, wie es die Unwetter der vergangenen Tage mit sich brachten, den Müller nicht beglückt, erfuhren die Besucher unter anderem in Denstedt (Kreis Weimarer Land). Derzeit haben die Pegel der Ilm, an deren Ufer die Wassermühle steht, die Meldegrenze überschritten,das ist nicht gut , sagte Mühlenbesitzer Ralf Clauder.


In Thüringen sind dem Landesverein für Mühlenerhaltung und Mühlenkunde zufolge im
Freistaat etwa 400 Standorte von Windmühlen und 3200 von Wassermühlen dokumentiert,
von denen heute noch 300 erkennbar sind. Bekannt ist etwa das Mühltal bei Eisenberg.
Mühlen zählen zu den ältesten Maschinen der Menschheit. Ihre Geschichte reicht laut DGM
rund 2000 Jahre zurück.

 

Quelle: THÜRINGISCHE LANDESZEITUNG - Ausgabe Erfurt, 21.05.2013, S. 7